15. Let’s get back to bed, Bua.

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Tag 70, Date 4, Feli:

„Felilein. War’s echt so schlimm?“

Gitta sieht mich verständnisvoll an.

„Ich mein’, Männer sind halt manchmal Deppen, aber dass du ihn deswegen auch über die ganze Osterzeit hin hast schmoren lassen …“

„Jetzt übertreib mal nicht. War ja nur ne Woche. Ich fand das einfach mega scheiße, was er da abgezogen hat.“ Ich ziehe ein Gesicht.

„Dass er dich stehen hat lassen?“

„Ne, dass er einfach denkt, er kann kommen und gehen wann er will und ich hab nix andres zum Tun, als auf ihn zu warten!“  Das wär’s ja noch.

Gitta zieht ihre hübsche Stirn in Dackelfalten, wie sie es immer tut, wenn sie intensiv überlegt. „Hmmmm ….. ja, kann ich schon irgendwie verstehen …….“

„So oder so – wir haben ja gesagt, das ist nix Festes, sondern ein 150 Tage Testlauf.“

„Was meinst jetzt damit?“

„Naja, ob das exklusiv ist oder nicht, ist jetzt so nicht ausgemacht. Vielleicht sollt’ ich mich ein bissl öffnen. Ich bin ja geradezu fixiert!“

Ich schnaube verächtlich, was Gitta sofort ein wissendes Grinsen entlockt.

„Wenn du schon SO eine Schnute ziehst, dann ist er dir wirklich wichtig. Süß.“

„Pah.“ Ich nehme schnell einen Schluck von meinem Drink. Falls ich gleich rot werde, sieht man es hinter dem Bierglas zumindest hoffentlich nicht.

„Feli ist verliebt, Feli ist verlie-hiebt!“ Gitta lacht. Na toll!

„Ich mag ihn einfach. Und will seine ungeteilte Aufmerksamkeit! Ohne zu Klammern, versteht sich. Auf jeden Fall möchte ich nicht so behandelt werden, als wär ich allzeit verfügbar. Wo samma denn!“

„Ja aber … als er dann nochmal bei dir aufgetaucht ist, mit ’ner Gitarre hast du gesagt … ich meine, dass war doch irgendwie auch süß!“

„Mich kriegt man nicht einfach mit ein bisschen Gitarrespielen ins Bett!“

„Also wolltest du nicht?“

„Doch. Er sah ziemlich heiß aus. Mit dieser unmöglich strubbelig-zerzausten Frisur. Und der Gitarre in der Hand …“

„Na, dann ist dir aber auch nicht zu helfen.“ Gitta nimmt den letzten Schluck von ihrem Wasser und winkt dann die Kellnerin her.

„Ein Helles bitte. Ach nein stopp – ein alkoholfreies Helles.“

Die Kellnerin notiert sich die Bestellung und zieht dann ab. Gitta dreht sich unbedarft wieder zu mir um – und sieht nun meine Miene. Sie wird rot.

„Shit.“

„Willst du mir irgendwas sagen?“

„Mann … eigentlich darf man ja noch nichts sagen … aber ich bin echt schlecht mit dieser ganzen Heimlichtuerei!“

„Oh mein Gott!“

„Jep. Schwanger. Jetzt dann bald im dritten Monat.“

Ich starre meine beste Freundin eine Sekunde einfach nur an. Und dann falle ich ihr freudestrahlend um den Hals. Nochmal mache ich nicht denselben Fehler, wie damals bei der Verlobungsnachricht! Außerdem sind es ja auch tolle News!

„Krass. Du kriegst ein Kind.“

„So schaut’s aus.“

„Krass.“ , sage ich nochmal, weil es auch einfach nur krass ist. „Und … hast du keine Angst?“

„Ne verdammte Scheißangst. Ich hab nicht den geringsten Peil von dem Ganzen!“

Und trotzdem strahlt Gitta von einem Ohr zum anderen. Ich stupse sie grinsend an: „Aber nicht, dass du dann nur noch mit der Schwabinger Müttermafia in kindgerechten Cafés abhängst, den ganzen Tag!“

„Schmarrn! Bist du wahnsinnig. Bei mir wird alles ganz anders!“ Gitta stützt empört ihre Hände in die Hüften.

„Hmhmhm…. alles klar.“ Ich lächle und verkneife mir einen weiteren Kommentar. Zum Beispiel zu der Tatsache, dass ich diesen Spruch vor zwei Jahren schon mal gehört habe, als es um  das Thema „postmatrimoniale Panikbräute“ ging.

Gitta lächelt mich nun an: „Wie du siehst müssen wir alle hier und da mal ins kalte Wasser springen. Wir sind ja schließlich keine 25 mehr! Hast du selber mal gesagt.“

„Hmmmmmm.“ Ich hasse es, wenn sie Recht hat.

„Wie lange willst du jetzt noch Elsa, die Eiskönigin raushängen lassen? Schreib ihm halt, deinem Leo. Der ganze Rest ergibt sich schon von selbst.“

Ich muss grinsen. Was kann ich gegen die unendliche Schwangeren-Weisheit schon einwenden.

 

„Servus!“ Keine zwei Stunden später begrüßt mich Leo mit einem breiten Strahlen und einer vorsichtigen Umarmung. Oh weh. Ich hab wohl echt ein wenig die Zicke raushängen lassen.

„Hey … komm doch rein!“, ich lächle ihm ermutigend zu – armer Kerl!

Leo geht sofort ganz selbstverständlich Richtung Wohn/Schlafzimmer.

„Darf ich mir kurz was zum Trinken nehmen? Ich bin geradelt und hab nen ganz schönen Brand.“ Leo nimmt sich ein Glas und dreht den Hahn auf.

Ich staune. Er bewegt sich jetzt schon in meiner Wohnung, als wär es seine eigene. Und noch mehr staune ich darüber, dass mir das ÜBERHAUPT nix ausmacht! Dabei habe ich ja eigentlich ziemlich klare Grenzen, was das Eindringen in meine Privatsphäre betrifft. Ich meine – das mit dem Händchen halten war ja auch schon so merkwürdig! Es ist irgendwie, als würden wir uns schon ewig kennen. Alles ist sehr vertraut.

Leo scheint nun zu merken, dass ich ihn mit vielen Fragezeichen in den Augen mustere, denn er grinst mich nur an.

„Alles klar bei dir? Oder hab ich wieder was falsch interpretiert?“

Und in dem Moment ist mir plötzlich alles wurscht. Es braucht nicht mehr als zwei große Schritte (ok, eher drei, aber ich bin ja auch klein!) bis ich bei Leo bin und meine Arme um seinen Hals lege, um ihn zu küssen. Mein Herz klopft wie blöd. Bravo Feli! Wenn das mal nicht verwegen war! Damit hat er bestimmt nicht gerechnet.

Aber blöd findet er’s auch nicht, denn Leo küsst mich sofort zurück. Erst langsam, dann mehr … dann wandern seine Hände vorsichtig wieder an die Stelle, an der sie vor einer Woche zuletzt stehen geblieben sind. Ohne dass ich etwas dagegen tun kann, ploppt sofort ein alter Ohrwurm in meinem Hirn auf: „Let’s get back to bed, bua … äh …. boy“.

Er grinst mich an, ich grinse zurück (möglichst sexy, hoffe ich doch!) Und schön fliegen die Klamotten. Nicht lange und Leo trennt nur noch mein superhotter I’m-sexy-and-i-know-it-BH von einer Begegnugn der anderen Art („zufälligerweise“ habe ich heute extra mein edelstes Set angezogen. OK, ich trage vorsichtshalber schon seit Date Nr. 2 feine Dessous. You never know.)

„Oh Mann …“ flüster Leo heißer, als er (etwas umständlich) den BH auf hat und auf meinen Superbusen starrt. Ich genieße für eine Sekunde diesen triumphalen Moment (zu irgendwas müssen sie ja gut sein), bevor ich doch kurz Angst vor meiner eigenen Courage habe. Ich will natürlich, dass es gut ist. Dass es super ist! Erstens, weil ich mich nicht zum Deppen machen will. Und zweitens, weil ich nichts anderes erwarte, so intensiv, aufregend und irgendwie einfach passend, wie die ganzen anderen „ersten Male“ mit Leo waren. Und drittens, weil ich einfach Lust auf guten Sex habe. Ich bin auch nur eine Frau! Plötzlich schlägt mein Herz so abartig schnell in meiner Brust, dass ich Angst habe, gleich wirklich und wahrhaftig in Ohnmacht zu fallen. Mir schnürt es die Kehle zu. Ich schiebe Leo von mir weg.

„Warte mal …“

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