Silvester-Wahnsinn

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2015 war, global gesehen, ein sehr aufwühlendes, schockierendes und oft auch trauriges Jahr. Wenn man privat resümiert, musss ich sagen, ich bin ausgesprochen zufrieden. Wirklich, ich würde dem Jahr 2015 sogar eine glatte 2+ geben.

Wenn da nicht immer dieses Silvester wäre. Dieses unnötige, ätzende, nervenaufreibende, Erwartungsdruck-schwangere Silvester. Die Planungen für dieses Jahreswechsel-Event gehen meist im August los. Mit den Super-Planern. Die Super-Planer sind 1-2 Mitglieder des eigenen Freundeskreises, die das Event „Silvester“ mit einer dermaßenen Vorfreude erfüllt, dass sie die eigenen Erwartungen jedes Jahr übertreffen wollen. Es muss DIE Super-Party werden. Die Super-Planer klingeln also meistens zwischen Mitte August und spätestens Anfang Oktober durch.

„Heyyyy….was macht ihr denn Silvester?? Wir haben den absoluten SUPER Plan!! Es gibt diese Hütte für 10 Personen, mit Nacht-Rodeln, schwedischer Saune etc….müsste man nur jetzt schon buchen…“

oder auch:

„Heyyy….was macht ihr denn Silvester? Wir haben den SUPER Plan!! Es gibt da dieses Partyboot im Mittelmeer, für 15 Personen, mit Live-Band, Nacht-Baden…man muss nur jetzt schon buchen!“

oder manchmal auch:

„Heyyy….was macht ihr denn Silvester? Wir haben den SUPER Plan!! Es gibt da diesen Super Las-Vegas Deal…..“

Die Super-Planer haben übrigens kein Verständnis für diese Antwort: „Ja, also…puh. Jetzt ist doch erst August? Ich weiß noch nicht, was ich Silvester mache und möcht mich da auch ned festlegen. Vielleicht hab ich bis dahin ja sogar wieder nen Freund….“

„Bist du wahnsinnig?? Man MUSS das JETZT buchen!!! Sonst steht man an Silvester mit nichts da!“

Aha.

Und dann gibt es da noch die Kategorie der Partytiere. Auf die kann man sich immer verlassen. Auch wenn spätestens an Neujahr um 9 Uhr über den Anblick des vollgekotzten Badezimmers, der Bierleichen im eigenen Bett und des Mount Everest großen Spülberges der Satz fällt: „Das war das letzte Mal, dass wir eine Silvesterparty ausgerichtet haben! Nächstes Jahr ist wer anders dran!“….. spätestens am 27.12., wenn alle aus der Clique das Party-Signal einfach geduldig aussitzen, heißt es: „Na gut, wir machen ne Party. Das geht ja nicht, Silvester ohne Party! Aber das ist das letzte Mal. “

Außerdem gibt es da noch die Pärchenfeierer („Wir feiern dieses Jahr ganz ruhig, zu zweit, mit „Dinner for one“ und Raclette. Vielleicht schauen meine Eltern noch vorbei…“) und natürlich die Spontanen. Die Spontanen rucken am ehesten mit den Super-Planern zusammen (siehe oben). Silvester ist für sie überbewertet, sie hassen es, sich zu früh festzulegen. Kurz vor dem 31. loten sie dann die Optionen aus und beschließen, dass es ja eh noch lang hin ist, bis zum besagten Abend. Und stehen dann spätestens am 30.12. um 21 Uhr vor der unausweichlichen Frage: „Was mach ich jetzt morgen??“. Denn auch wenn sie bemüht nonchalant immer wieder verkünden, auch kein Problem damit zu haben, einfach mal nicht zu feiern – blöd ist es schon, wenn man an Silvester allein daheim rumsitzt.

Meistens können sich die Spontanen auf die Partytiere verlassen. Wenn die aber nun doch einmal in ihrem Leben ihre Drohung wahrmachen (evtl. weil jemand aus einem anderen Freundes- oder Kollegenkreis endlich mal ne Party schmeißt), ja dann stehen die Spontanen dumm da. Am allerblödesten ist es, wenn der oder die Spontane gleichzeitig zum Kreis der Singles gehört.

Dann gibt es nur noch diese Optionen:

– am 31.12. allein mit Pinot und Chardonnay auf der Couch feiern, und interaktiv „Dinner for one“ spielen…äh…gucken („Cheerio, Miss Sophie!“)

– sich von jemanden auf eine Party eines Unbekannten mitschleifen lassen und sich den ganzen Abend entweder wie der unerwünschte Gast fühlen, oder feuchtfröhlich neue Freundschaften schließen

– sich eine völlig überteuerte Eintrittskarte für eine der Silvesterparties in den Clubs kaufen, mit den Worten: „Das wird spitze! Gute Musik, neue Leute – endlich mal ne richtige Party!“

Im Zweifelsfall enden alle drei Optionen allein unter irgendeinem Tisch, mit einer Magnumflasche Sekt in der Hand und den heulenden, selbstmitleidigen Worten: „Warum nur?? Warum bin ich wieder allein? Dieses Jahr war scheiße und das nächste wird es auch…buhuhuuuuu!“

Naja. Als Spontaner kann man an spontanen Silvesterabenden aber auch oft mehr Spaß erleben, als auf einer von langer Hand durchgeplanter Silvester-Action (siehe Erwartungsdruck). Und selbst wenn der heutige Abend liegend unter einem Tisch mit einer Magnum-Flasche Sekt in der Hand endet – oft folgt auf ein beschissenes Silvester ein grandioses Jahr! True story!

Ich in meinem Fall, habe für die heutige Silvestfeierei keinen Sekt eingepackt, dafür aber witzige Party-Hütchen und Bleigießen. Und ehrlich gesagt – mir war es noch nie so wurscht, wie die Party wird, wer kommt, ob genug Essen, Böller oder Flirtpartner da sind….ja, ich hab noch nicht mal die obligatorische Kopfwehtablette vorbereitet. Ich lass es einfach auf mich zukommen. Mal sehen, was dabei rauskommt. 🙂

In diesem Sinne: Macht, was immer ihr wollt heute und habt Spaß dabei! Einen guten Rutsch!

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