3. Girl meets boy – Part II

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Tag 1, Leo:

„Wenn das Leben dir eine kotzende Rothaarige gibt, dann mach eine heiße Brünette draus.”

„Haha, stark gemacht Alter!!!”

„Classy!“

Meine Freunde kriegen sich in der gemeinsamen Whatsapp-Gruppe gar nicht mehr ein vor lauter Begeisterung. Und klar, das was passiert war, sieht von außen auch aus wie ein Meisterstück des Samstagabendaufrisses. Aber um ehrlich zu sein, bin ich mir selbst nicht so sicher, was in dieser Nacht genau vor sich ging.

Also nicht, dass ich das jetzt vor den anderen zugeben würde. Irgendwie allerdings, auf eine ganz komische Weise, hat sich das alles schon nach einem Riesen-Zufall angefühlt. Vielleicht sogar Schicksal …?

„Pfff, Schicksal, genau!“, ich reiße mich laut aus meinen Gedanken. „Hörst du dir eigentlich gerade selber zu?“

Doch selbst heute, einen ganzen Tag danach, bin ich völlig bei diesem braunhaarigen Mädel. Und dabei ist nicht mal was gelaufen!

Es ärgert mich ja fast schon, dass sie mir einfach nicht mehr aus dem Kopf geht. Denn nichts ist schlimmer, als die Kontrolle über etwas zu verlieren. Das passiert jedoch zwangsläufig, wenn man sich verknallt – und wohin das führt, hab ich in den letzten Jahren gleich mehrmals schmerzhaft erfahren müssen. Nein danke, das muss nicht schon wieder sein. Eigentlich ist ja auch alles cool so, wie es ist. Oder …?

Dabei war das alles eh ganz, ganz anders geplant: Mein bester Freund Ali hatte an jenem Abend seinen Geburtstag in seinem Lieblingsclub gefeiert (dafür, dass er ausgerechnet am Valentinstag Geburtstag hat, wird er seit Jahren von uns verarscht.). Ich hab nur zu gern den Wingman für Ali gemacht, als der sich für ein hübsches Mädel aus einer Gruppe von BWL-Studentinnen interessierte. Also habe ich deren rothaarige Freundin namens Sophie (oder war es Sophia?) in ein Gespräch verwickelt – und einige Cocktails später knutschten wir auf der Tanzfläche rum (während Ali bei seinem Zielobjekt nach ungefähr fünf Minuten abgeblitzt war, aber sein Pech).

Das war auch alles ganz nett – bis Sophie/a sich plötzlich in einem riesigen Kotzstrahl über die Tanzfläche übergab. Und leider auch auf meine Schuhe. Zu meiner großen Begeisterung.

„Arrgh, scheiße!”

Das war nicht sonderlich Gentleman-like, aber hey, diese Nikes waren neu! Der fünfte Cocktail war wohl einer zu viel für sie. Und während ich also so dastand wie zur Salzsäule erstarrt, in der (natürlich vergeblichen) Hoffnung, dass endlich mal jemand von Sophie/as Freundinnen zu Hilfe kommen würde, tänzelt da plötzlich diese völlig unbekannte Brünette um die Kotzlache und führt Sophie/a zur Toilette.

„Hey… lass uns erstmal aufs Klo gehen, ja?“

„Oh Gott, ich hab keine Ahnung, wer du bist, aber dich schickt der Himmel!“, ich starrte das Mädel (ich schätzte sie auf Mitte-Ende Zwanzig, ca. 1,60m und Körbchengröße D) dankbar an.

Erst im fahlen Licht der Clubtoilette ist mir dann aufgefallen, wie unglaublich hübsch die kleine Unbekannte war. Wie süß sie lächeln konnte, dank dieses perfekten roten Munds. Und wie ihre Augen funkelten, auch wenn ich in diesem Licht echt nicht erkennen konnte, welche Farbe sie hatten. Und: Ich war mir sich ziemlich sicher, noch nie ein Mädel gesehen zu haben, das so gut dabei aussieht, während es einer Anderen beim Kotzen die Haare hält.

„Äh, hallo??? Wie wär’s mal mit Helfen?“

„Äääääh …. ja klar. Sorry. Kaugummi?“

Als wir die bemitleidenswerte Sophie/a (und meine noch viel bemitleidenswerteren Schuhe) halbwegs sauber bekommen hatten und sie zum nächstbesten Taxi brachten, da lallte die Schnapsdrossel etwas sehr Komisches:

„Ey … ihr wärdechtngutesPaar. Ehrlich Mann, ihrssseid end süß zusam…“

Tja.

Und dann passierte etwas, was mir sonst nie passiert: Ich wurde nervös. Zumal dieses Mädel mich jetzt auch noch so ansah! Sag was, du Idiot! Sonst siehst du diese tolle Frau nie wieder. Am besten irgendetwas total Geistreiches, das sie von den Socken haut!

„Wenn sie meint, muss da ja was dran sein. Betrunkene sagen schließlich immer die Wahrheit.“

Bei der Erinnerung an diesen „geistreichen“ Flirt muss ich einfach grinsen. Nur: Wie hieß sie nochmal? Feli, oder? Oder Vreni? Oder doch ganz anders? Oh Gott, du weißt ihren Namen nicht mehr. Du dummer Idiot. Wahrscheinlich heißt sie Uschi und du wirst dich in nicht allzu ferner Zukunft gewaltig zum Affen machen.

Ich war noch nie besonders gut mit Namen, aber diesmal war es besonders peinlich: Da sitzt du mit dieser Frau fast die ganze Nacht in einem Dönerladen, redest mit ihr über alles, und zwar wirklich alles – und dann vergisst du ihren Namen? Vielleicht hättest du sie nicht unter „Das Mädl von gestern Nacht” in deiner Kontaktliste abspeichern sollen, als ob sie ein mittelprächtiger deutscher Psychothriller wäre. Du verdammter Held!

Aber dafür hat Gott schließlich die „Hey du. Na wie geht’s?”-Textnachricht erfunden. Unverfänglich und auf jeden beliebigen Namen anwendbar.

Hauptsache, ich wirke via WhatsApp genauso souverän, wie ich es gestern in meiner alkoholgetrübten Erinnerung warst! Es braucht nur ein kreatives Opening. Was Witziges am Besten, damit sie seine Nachricht nicht einfach ignoriert.

Ich erinner mich wieder an die angeregte und lustige Diskussion in ebendieser Nacht in der gammligen Dönerbude…und mir kommt grinsend eine Idee: Dieses Mal werde ich einfach mal wirklich souverän zu sein und Nägel mit Köpfen zu machen. Mal sehen wie sie reagiert.

Ich muss nicht lange warten.

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Nailed it.

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