19. Was Leo getan hat …

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Feli, Tag 147

Ich kann’s nicht glauben. Ich kann’s einfach immer noch nicht glauben.

„Ich kann’s auch nicht glauben – und jetzt ruf ihn verdammt nochmal an!“, Gitta mustert mich kopfschüttelnd und nimmt mir das leere Weißbierglas weg, dass ich schon seit einer gefühlten Stunde gedankenverloren in meinen Händen hin- und herdrehe.

„Ne.“

„Wie – ‚ne’?? Du führst dich auf wie ’ne Verrückte! Ok, ich hab Blokis Ex damals auch gegoogelt. Aber auf Facebook stalken – und dann auch noch aus lauter Dusseligkeit eine Freundschaftsanfrage schicken? So kenne ich dich gar nicht…“

Gitta mustert mich erneut – dieses Mal besorgt.

„Ich weiß auch nicht. Irgendwie isses mit mir durchgegangen. Wir wollten, dass die Sache zwischen uns locker und lässig ist. Eben nicht so hysterisch und kompliziert wie Beziehungen sonst sind. Einfach Dating, aber ohne den ganzen Kennenlernstress. Stellt sich raus, ich bin doch nicht so locker und lässig, wie ich dachte.“ , frustriert beginne ich nun, an dem Bierdeckel zu pulen.

Gitta lächelt. „Ich glaube, es war vielleicht sogar ZU locker und lässig. Ich habe noch nie erlebt, dass du trotz Komplikationen so relaxed mit ’nem Typen umgegangen bist. Nicht mal bei dieser verrückten Sache mit dieser Stalkerin bist du durchgedreht. Vielleicht hast du deswegen einfach Panik bekommen und dir hat’s nen Schalter umgelegt …“

„Hmmm. Es hat mich halt schon auch sehr gestört, dass ich so rein gar nichts Ernstes über Leo weiß! Er hat sich auch immer mega bedeckt gehalten, was das anging. Einfach zu behaupten, man sei seit Jahren Single – damit ist die Sache ja nicht abgehakt. Ich meine – vergangene Beziehungen spielen ja schon auch irgendwie eine Rolle, was man für eine Person ist, oder nicht?“

Gitta lächelt. „Klar. Und dann ist da ja auch die weibliche Neugier. Wundert mich eh, dass du so gar nix von dem Kerl weißt. Man sollte denken, dass es da mehr Reibungspunkte gab …“

„Ich weiß nicht, es lief eigentlich so smooth. Wir wollten am Wochenende zum Finale von unserem 150-Tage Projekt auch gemeinsam in die Berge fahren.“

„Und gerade deswegen hast du all deine crazy Kennenlern-Verrückheit wahrscheinlich jetzt nochmal kurz vor Schluss in dieser Amy-Sache kanalisiert. Normal.“

„Wenn du das sagst klingt das so, als hätte ich irgendnen Schaden.“

„Ich glaube eher, du magst ihn wirklich!“

„Hmmmm…“, meine ich erneut.

„Und ich glaube, du hast auch Schiss, was jetzt nach den 150 Tagen passiert.“, Gitta nickt mir aufmunternd zu.

Aber ich denke daran, wie Leo bei unserem Telefonat abgegangen ist. Meine beste Freundin kann sagen, was sie will – irgendwas wurde da auch bei Leo getriggered. Heftig getriggered! Und es hörte sich nicht so an, als gäbe es jetzt noch einen Weg zurück. Bei dem Gedanken wird mir ganz schwer um’s Herz und ich merke, wie ich fast anfange zu heulen. Nein. Dieses Mal nicht. Dieses Mal werde ich das Männer-Drama nicht bis zum unweigerlichen Ende durchgehen, bis man mich nur noch in emotionalen Überresten vom Boden kratzen kann! Dafür habe ich die letzten Jahre als Single zu viel über mich und meine Stärke gelernt!

Schnell greife ich einfach nach Gittas Glas und nehme einen tiefen Schluck, um mich zu fassen. Dann gebe ich mich entschlossen: „Mein Gott, Liebe auf den ersten Blick gibt’s ja eh nicht. Und dass man sich sofort verknallt bei der ersten Begegnung ist ja auch Quatsch. Dann isses jetzt halt so. Den Stress tu ich mir auf jeden Fall nicht an!“

 

 

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